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Schicksal

von Jakob Schwed

Rot 3, Rot 3! Können Sie mich hören? Rot 3, antworten Sie doch! Rot… Bieeep…!“, der Ton erlosch. Die rote Staffel hatte einen weiteren Piloten verloren. Frederick war erst vor kurzem zum Offizier befördert worden und nun führte er bereits seine erste Raumschlacht. Die Argosy, der größte Raumfrachter des Vereinten Imperiums war auf dem Weg zu Hetrik 5 gewesen, um eine Ladung Titan abzuliefern, als sie von einer Flotte der Epelypsis angegriffen wurden. Die Epelypsis waren eine der fortschrittlichsten Spezies im bekannten Kosmos. Ihre Raumjäger wurden sogar von den berüchtigten Piraten gefürchtet. Angeblich soll ein epelyptisches Schiff den Sprung in eine andere Galaxie geschafft haben. Und nun musste der junge Offizier gegen eine der stärksten Raumflotten des Weltraums bestehen. Plötzlich traf ein Laserschuss den rechten Flügel seines Raumjägers des Typs Z8-15. Ein epelyptischer Jäger hatte ihn getroffen. Er wusste, er würde nicht mehr lange leben. Doch er wollte den Epelypsis nicht ungeschoren davonkommen lassen. Langsam richtete er das Ziel-Rohr auf den gegnerischen Raumjäger. Drei… es gibt keine Gnade. Zwei.. im Krieg zeigt man keine Schwäche. Eins… „Entschuldigung“. Frederick drückte ab.

„Endlich!“, rief Marlene als sie den nervigen menschlichen Piloten am rechten Flügel traf. Die erst 124 Jahre alte Epelypsis war die Tochter des Präsidenten und beste Pilotin ihrer Altersgruppe.  Zuerst wollte ihr Vater sie nicht auf diese gefährliche Mission gehen lassen, doch als ihre Mutter durch einen Anschlag des Vereinten Imperiums getötet worden war, stimmte ihr der Präsident zu. Sie erinnerte sich noch an den Tag als wäre es gestern gewesen. Sie hatte diesen Frederick fast erwischt, doch er war knapp entkommen. Seither empfand sie tiefgründigen Hass gegenüber diesem Volk. Den Menschen musste Einhalt geboten werden! Zuerst zerstört der Homo Sapiens Sapiens seinen eigenen Planeten und nun will er noch andere Sonnensysteme in Schutt und Asche legen. Ein weiterer Treffer. Einen nach dem anderen schoss sie die Raumjäger der Menschen ab. Plötzlich sah sie in. Ein Laserstrahl. Bestimmt um sie zu töten. Und sie sah den Schützen, ein junger Pilot. Vielleicht 23 Jahre alt. Da fuhr ihr die Erkenntnis, wie ein Schlag ins Gesicht durch den Kopf. Sie erkannte den Piloten, es war Frederick. Sie aktivierte die Schilde und fing den Schuss ab. Sie wollte bereits zurück schießen, doch eine unsichtbare Kraft hielt sie zurück. Dieser junge Pilot, er wirkte so unschuldig, sie konnte ihn einfach nicht töten. Sie konnte diese Kraft nicht erklären. Wüsste sie es nicht besser so würde sie diese Kraft, dieses Empfinden Vernunft, vielleicht sogar Liebe. Aber das konnte nicht sein, dieser Mensch war der Mörder ihrer Mutter, für ihn gab es kein Erbarmen.

Als er erkannte, auf wen er geschossen hatte, bereute Frederick es augenblicklich. Damals als er Marlene bei seinem Anschlag gesehen hatte, war sie ihm nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Er glaubte ja nicht an Liebe, aber das musste Liebe sein.

„Käpt’ain ich habe ein Problem!“, meinte Frederick. „Was ist denn Rot 1“, antwortete der Kapitän. Frederick informierte den Leiter der roten Staffel. „Da kann ich ihnen leider nicht helfen. Das wäre Hochverrat“.

Da ergriff Frederick einen Entschluss. Er startete eine Mission. Er würde die Epelypsis retten und dann entführen.

„Hilfe, hört mich jemand. Irgendwer?“ Marlenes Raumjäger war getroffen worden. Von Frederick! Dieser miese Mensch wollte sie nun entführen. Er hatte ihr Gefährt gekapert und sie in das seine verfrachtet. Es war ein schöner Raumjäger. Ein Z8-15, soweit Marlene ihn erkennen konnte. Geschickt manövrierte der Mensch das demolierte Raumschiff auf die Argosy zu. Dauerhaft fluchte Marlene über ihre missliche Lage. Denn als Epelypsis war sie dem Menschen etwas schuldig. Eine Lebensrettung um genau zu sein. Wäre sie doch nur nicht zu dieser schrecklichen Expedition aufgebrochen. Der Raumjäger erreichte bereits den Haupthangar des Frachters. Sie wurde schon erwartet. Eine Garnison Soldaten sollte Marlene zu dem Admiral der Argosy bringen. Als sie von Frederick getrennt wurde, trafen sich erneut ihre Blicke. Sehnsüchtig blickte ihr, der von jubelnden Piloten umringte Mensch hinterher. Nun war sie eine Geisel des Vereinten Imperiums. Leider nicht das was sie sich ersehnt hatte. Sie drehte sich noch ein letztes Mal um und erkannte die gehauchte Botschaft von Frederick. „Ich werde dich retten!“

Ein harter Tritt traf sie in den Rücken. „Bewegung!“, blaffte der Soldat. Sie könnte das Ende eines langen Krieges besiegeln. Das war ihr Schicksal.

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