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Die ist doch verrückt!

Die Frau, die immer um sich schaut, aber niemand verfolgt. Der Mann, der durch die Straßen rennt und anscheinend mit sich selbst redet. Das junge Mädchen, das sich zitternd und ängstlich in die Ecke drückt. Die ist doch verrückt! Dieser Satz rutscht uns in solchen Situationen schnell mal so raus. Aber was sagen wir da eigentlich?

Von der Krankheit Psychose ist schließlich einer von hundert Menschen betroffen. Die Wahrscheinlichkeit, auch von dieser Störung betroffen zu sein, ist schließlich viel höher als an einem Autounfall zu sterben. Aber wieso stigmatisieren wir dieses Thema dann dennoch? Sollten wir diesen Menschen nicht helfen, anstatt sie mit komischen Blicken anzuschauen?

Stellt dir vor, auf einmal ist alles verschwommen. Dir fehlt die Luft zum Atmen und du hörst auf einmal etwas. Eine Stimme, die dir sagt, dass du nichts wert bist, dass du dich aus dem Fenster stürzen sollst. Du versuchst wegzurennen, weg von der Stimme. Doch sie verfolgt dich. Du kannst ihr nicht entfliehen. Du willst mit deinem eigenen Geschreie die Stimme übertönen. Und dann sind da noch die Anderen. Die Bösen. Sie sehen dich an. Und du bekommst Panik. Alles in dir schreit nach Flucht. Die Anderen kommen näher. Wollen dich festhalten. Dich retten. Doch du kannst das nicht sehen. Du bist wie ferngesteuert. Eine fremde Macht hat die Kontrolle über deinen Körper. Die Anderen. Die Bösen. Sie kommen immer näher. Wollen dich an der Hand nehmen. Doch du drückst dich in die Ecke. Adrenalin strömt durch deinen Körper. Du zitterst, hast keine Kontrolle mehr. Alles läuft wie im Film ab. Alles dreht sich. Und auf einmal werden die Stimmen leiser. Das Zittern weniger. Der Film realer. Und es scheint so, als würdest du aufwachen.

So in etwa könnte eine Psychose aussehen. Ein Alptraum, oder? Aber leider ist es das nicht. Für viele Menschen ist das die Realität. Jede Psychose schaut anders aus, manch Betroffener hat das Gefühl durch Außerirdische beeinflusst zu werden, ein anderer wiederum empfindet äußere Einflüsse so stark, dass er nicht mehr zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden kann, er kann nicht mehr wissen, was real ist und was nicht. Unterscheiden kann man zwischen organischen Psychosen, zum Beispiel ausgelöst durch ein Schädel-Hirn-Trauma, substanzinduzierten Psychosen, also durch Medikamente oder Drogen, und nichtorganischen Psychosen, auch schizophrene Psychosen genannt. Nichtorganische Psychosen hängen oft mit anderen psychischen Erkrankungen wie zum Beispiel mit einer schweren Depression oder als Nebenerkrankung der Persönlichkeitsstörung Borderline zusammen. Manche haben nur eine einzige Psychose, andere haben wieder Psychosen als chronifizierte Erkrankung. Aber egal welche Art und wie lange andauernd. Es ist eine ernstzunehmende Störung, die mehr Aufklärung verlangt.

Also: Verrückt oder einfach „nur“ erkrankt?

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