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Schulsprecherrede zum Keimgassenball am 18. April 2020

Wie wir alle wissen, hat das Coronavirus weder vor unserer Schule noch vor unserem Schulball Halt gemacht. Dieser musste abgesagt werden und wird hoffentlich im Herbst nachgeholt. Als Schulsprecher hätte es zu meinen schönen Aufgaben gehört, zu Beginn des Balls ein paar Worte an die Anwesenden im Festsaal richten zu dürfen. Perfektionistisch veranlagt wie ich bin, habe ich mir schon seit Schulanfang (überwiegend ergebnislos) Gedanken darüber gemacht, wie meine perfekte Maturaballrede denn ausschauen würde. Und dann kam Corona…

Zum Anlass des eigentlichen Termins des Keimgassenballs 2020 stelle ich hier eine Rede online, die ich so ganz sicher nicht mehr halten werde:

Liebe Schülerinnen und Schüler, geschätzte Lehrinnen und Lehrer und sehr geehrter Herr Direktor, liebe Eltern, werte Ballgäste!

Auch von meiner Seite einmal einen schönen guten Abend!

Als Schulsprecher bin ich zwar eigentlich in die Ballorganisation nicht involviert – denn dafür haben wir ein eigenes Ballkomitee – dennoch freut es mich, dass Sie alle hier heute so zahlreich erschienen sind.

Der Keimgassenball hat sich in den letzten Jahren zu einem Großevent entwickelt, das weit über die Grenzen unserer Schule und unseres Bezirks hinausreicht und vergeblich seinesgleichen sucht. Das macht sich mir dadurch bemerkbar, dass sich hier heute auch Schülerinnen und Schüler anderer Schulen eingefunden haben, die nicht ihren eigenem, sondern unserem Schulball euphorisch entgegenfieberten und in großer Zahl hier erschienen sind. Auch wann immer ich auf Schulsprecherseminar nach St. Pölten fahre und sage, dass ich von der Keimgasse komme, höre ich: „Keimgasse, seid ihr nicht die mit dem großartigen Schulball?“ Tatsächlich macht es mich stolz, heute hier stehen zu dürfen und Ihnen jetzt mitzuteilen, was ich an dieser Stelle antworte: „Ja, das sind wir.“

Mein Verdienst ist das zwar überhaupt nicht, aber ich wage, zu behaupten, dass der Keimgassenball als Schulball nicht nur im Bezirk Mödling, nicht nur im Industrieviertel, nicht nur in Niederösterreich, sondern in ganz Österreich einzigartig ist! Dem Elternverein als Träger der Veranstaltung und dem Ballkomitee als Organisator, aber auch Ihnen, die Sie hier alle anwesend sind, sei dafür ganz herzlich gedankt. Sie alle tragen dazu bei, dass wir hier jedes Jahr aufs Neue gemeinsam eine unvergessliche Ballnacht verbringen können.

Wie Sie wohl alle mitbekommen haben, wurde im Herbst letzten Jahres an unserer Schule eine große Baustelle in Betrieb genommen. Ich selbst werde die Vollendung der Arbeiten sicherlich nicht mehr als Schüler erleben, und habe mir das auch wirklich ganz genau überlegt, aber so oft kann man die 8. Klasse gar nicht wiederholen… Dafür sitze ich jetzt an manchen Tagen in meinem Klassenraum, der Boden unter meinem Sessel bebt und ich beginne daran zu zweifeln, ob unser altehrwürdiges Schulgebäude den ganzen Erschütterungen wirklich standhält. Der Umbau verlangt nicht nur mir, sondern uns allen viel ab und stellt uns vor neue Herausforderungen.

Lasst uns aber das Schöne daran sehen. Das Schöne nicht nur daran, dass zukünftige Generationen eine noch viel schönere, große Schule besuchen werden dürfen, als wir es tun und taten, sondern auch das Schöne an der Art und Weise, wie wir diese Herausforderungen bisher alle gemeinsam gemeistert haben und sicherlich auch in Zukunft meistern werden. Wenn auch dank beengter Raumsituation nicht ganz freiwillig, so sind wir alle in diesem Schuljahr noch ein Stück näher zusammengerückt. Ich danke euch allen für euer Durchhaltevermögen und vergesst nicht, dass sich das alles am Ende lohnen wird.

Genau wie momentan auf unserer Schule steht jeder Schüler auf seiner eigenen Baustelle mit dem Ziel, am Ende vor einem fertigen Haus mit der Aufschrift „Abschluss 8. Klasse und Matura“ zu stehen. Auf der eigenen Baustelle bauen manche ihr Haus sehr stabil, während andere versuchen, mit einem eher wackligen Konstrukt an ihr Ziel zu kommen. Die meisten bauen ihr Haus in 8 Jahren, manche aber auch in 7, 9 oder 10 Jahren. Und ein Jahrgang, dem dieser heutige Ballabend gewidmet ist, möchte sein Haus jetzt in den nächsten Wochen fertig bauen…

Eine Baustelle jedoch kann immer nur dann funktionieren, wenn viele Personen zusammenarbeiten und wenn es Personen gibt, die hinter dem Projekt stehen und erklären, wie man Ziegel auf Ziegel so schnell und präzise wie möglich aneinanderbaut. Von diesen Personen ist man als Schüler – und bin auch ich – manchmal genervt oder fühlt sich unter Druck gesetzt. Dabei ist ihre Arbeit essenziell wichtig für das Vorankommen auf der Baustelle und ich danke an dieser Stelle herzlichst allen unseren Lehrerinnen und Lehrern dafür, dass sie hinter uns stehen und uns auf unser Baustelle unterstützen!

Zum Abschluss wünsche ich allen Schülerinnen und Schülern ein erfolgreiches restliches Schuljahr. Insbesondere allen Maturantinnen und Maturanten wünsche ich – ein bisschen auch aus Eigennutz – viel Erfolg bei der schriftlichen und mündlichen Reifeprüfung, aber heute bitte ich euch, den Stress für eine Nacht beiseitezuschieben. Lasst uns schön gemeinsam trinken, tanzen und Spaß haben, denn Maturaball hat man bekanntlich nur einmal im Leben!

Dankeschön.

17 Jahre alt, 8M; Schulsprecher und erster Schülervertreter im SGA; neu in der Redaktion

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