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Schüler/in sein in Afrika

Teil 2 der Serie 'Schule in anderen Teilen der Welt'.


Schule. 
Letztes Mal habt ihr einen Einblick in japanische Schulen bekommen. Doch unsere Weltreise in die verschiedensten Schulen ist noch lange nicht vorbei: Dieses Mal führt sie uns nach Afrika. Dort gibt es keine Schulplicht, die Kinder dürfen in die Schule. Schule ist für Afrikaner etwas Besonderes: Zumal weil nur zwei Drittel der afrikanischen Kinder in die Schule gehen.


Doch fangen wir wieder am Beginn an
: Schule, wie wir sie kennen, gibt es dort erst seit Kurzem. Davor wurden Kinder daheim von ihren Eltern unterrichtet – dies allerdings nicht in typischen Schulfächern, sondern in Kochen, Jagen, Feldanbau und noch vielem mehr. Sie wurden in Ritualen in die Erwachsenenwelt eingeführt. Ihr Wissen diente lediglich dem Überleben der Gemeinschaft. Heute wird den Kindern in Schulen ähnliches wie uns beigebracht: Trotzdem gibt es in den Schulen bemerkenswerte Unterschiede.

Es gibt eine Grundschule, die wie in Japan sechs Jahre dauert und eine Sekundarstufe, welche die Schüler/innen bis zum 14. Lebensjahr besuchen. Kinder von reichen Familien dürfen Privatschulen besuchen, andere gehen in öffentliche Schulen. In Nordafrika gibt es sogenannte ‚Daaras‘, welche aber nur von männlichen Schulkindern besucht werden dürfen.

Schulgeld wird an afrikanischen Schulen in der Regel nicht verlangt. Eine Ausnahme bilden zumeist Privatschulen, doch in manchen Ländern wird pro Schuljahr ein für uns geringer Betrag von 5-15 Euro verlangt. Für afrikanische Eltern ist es jedoch ein großes Problem, diese Summe zu bezahlen, da die große Mehrheit afrikanischer Familien  nicht mehr als 100 Euro im ganzen Jahr verdient. Ein durchschnittlicher Österreicher verdient 22 Mal so viel – Und das in einem Monat! Noch dazu müssen Eltern auch die Schulmaterialien und die Schuluniform bezahlen, welche an vielen Schulen Pflicht ist. Eine Familie mit mehreren Kindern kann nur ein, maximal zwei Kinder in die Schule schicken. So lernen viele Schüler nur von ihren älteren Geschwistern das Rechnen oder das Schreiben.

Schulkinder werden in Fächern wie Lesen und Schreiben, Mathe, Musik, Sport, Sprachen und Religion unterrichtet. Manche Schulen unterrichten auch Nähen, oder das Herstellen von Dingen. Oft werden die Mütter in solchen Schulen mitunterrichtet.

An der ganzen Sache mit der Schule gibt es aber auch einen großen Haken: Es wird in einigen Ländern oft nicht in der Muttersprache unterrichtet, sondern in Englisch, wie zum Beispiel in Nigeria oder Gambia, oder in Französisch, wie in Mali oder im Senegal. Es mag zwar von Vorteil sein, wenn Kinder mehrere Sprachen beherrschen, doch für viele ist das ein Hindernis, welches die Afrikaner/innen schlussendlich dazu bringt, aus Frustration schon nach den ersten Schuljahren die Schule abzubrechen. 

Oft gibt es in einem ganzen Dorf nur eine einzige Schule. Ein Lehrer unterrichtet eine Klasse, in der bis zu 40 Schüler sitzen. Dies liegt wahrscheinlich an dem Mangel an Lehrkräften in Afrika. Es gibt nur eine Tafel und aus Geldmangel sitzen Schüler teilweise auf großen Steinen, oder auf Lehmklötzen. Manchmal werden die Kinder draußen unterrichtet, unter einem Strohnetz. Nicht einmal Klassenzimmer, welche aus Lehm und Stroh gebaut sind, sind dort selbstverständlich.

Und der typische Alltag eines afrikanischen Schülers?

Ein afrikanischer Schüler muss erst um 8:30 in der Schule sein. Davor muss er bis zu drei Stunden lang zur Schule gehen, in seinem Dorf ist nur eine einzige Schule. Den Tag startet er mit einem Gebet, oder mit einem Lied, um die Ahnen, oder die Götter zu ehren. In seinem Klassenzimmer herrscht sengende Hitze, die Fenster sind nur klein, damit es nicht reinregnet. Er ist aber froh, überhaupt ein Klassenzimmer zu haben, die Schüler im Nachbardorf müssen im Freien unterrichtet werden.
Seine Schule dauert bis 16:00 Uhr, dazwischen gibt es ein Mittagessen. Er muss in seiner Schule eine teure Uniform tragen. In vielen anderen Schulen ist dies ebenfalls Pflicht, denn in afrikanischen Schulen geht es oft streng zu. Heute muss er die Nationalhymne singen und den Marschschritt üben. Es gibt viele Regeln in der Schule in seinem Dorf: Auf Fragen muss oftmals im Chor geantwortet werden. Wenn jemand nicht aufpasst, kommt es schon Mal vor, dass derjenige eine Ohrfeige kassiert. Stifte, Hefte und sonstige Schulutensilien sind in seiner Schule eine Rarität, nur wenige besitzen das nötige Material. Trotzdem geht er gerne zur Schule, denn er weiß, dass nur wenige Kinder in die Schule dürfen.

Am Nachmittag bleibt er öfters in der Schule, um den Stoff des heutigen Tages zu wiederholen, lange kann er aber nicht bleiben, da er ja noch den dreistündigen Weg nach Hause gehen muss. Und das jeden Tag. So kommt er oft erst um 19:00 Uhr wieder daheim an. Er würde es aber nie wagen, sich über die Schule oder den langen Weg zu beschweren – denn sonst bekommt er einen kräftigen Hieb in sein Gesicht.

In afrikanischen Schulen mangelt es an Materialen, Lehrern und vor allem an Geld. Lehrer dürfen Schüler schlagen und es gibt oft nicht einmal Klassenzimmer. Trotzdem gehen Schüler in Afrika gerne in die Schule: Sie wissen, dass Schule etwas Besonderes ist, da ein Drittel nicht in die Schule darf. Und dass sie ohne Bildung ganz schlechte Chancen haben.

 

Laura geht in die 3M. Sie zeichnet und schreibt gerne, und als angehende Autorin kann sie so ziemlich alles beschreiben. Außer sich selbst. Moment, hat sie das nicht gerade getan? 😂

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