Outside

Schüler/in sein in Japan

Teil 1 der Serie: Schule in anderen Teilen der Welt

Schule. „Das ist viel zu schwer!“ oder „Das verstehe ich nicht!“ sind Kommentare, welche man oft in den verschiedensten Klassen zu hören bekommt. Dabei haben wir es in Österreich um einiges einfacher als zum Beispiel japanische Schüler.

Japan, der erste April. Ein neues Schuljahr beginnt für knapp 7 Millionen Schüler und ungefähr 420.000 Lehrer. Fangen wir am Anfang an: Um genauer zu sein in der Grundschule.

Die meisten von uns erinnern sich sehnsüchtig an die Zeit, in der man in der Volksschule war und das „Lernen“ für einen noch ein Fremdwort war. Nicht so in Japan: Die fünfjährigen Kindergartenkinder bereiten sich wochenlang voll unter Stress für eine Prüfung vor. Denn man wird nicht wie bei uns ohne weiteres einfach so in die Grundschule gelassen. Manche Mütter bereiten ihre Kinder über ein Jahr auf die vier Prüfungen vor, die man mit Bravour bestehen soll, um in die sechs Jahre andauernde Grundschule zu kommen. Die jungen Japaner müssen jedoch nicht etwa das Lesen oder das Schreiben der Schriftzeichen lernen, das können sie schon mit spätestens fünf Jahren: Sie müssen verrückte Dinge wie Basteln auf Zeit, Origami, Schleifen binden und noch einiges mehr können.

Aber genug zur Grundschule. Freizeit kennen japanische Mittelschüler nicht. An japanischen Schulen werden strikte Regeln befolgt: Wer fünf Mal zu spät kommt, muss eine Woche lang zur Strafe sauber machen. Haushaltskräfte gibt es an japanischen Schulen nämlich nicht. Die Schüler müssen gemeinsam mit dem Lehrer die Klasse putzen. Drei Jahre dauert die Mittelschule. Wenn diese vorbei ist, ist die Schulpflicht für die Schüler, welche jetzt fünfzehn Jahre alt sind, beendet. Sitzenbleiben können Schüler in Japan (zum Glück) aber nicht.

97  von 100 Schülern besuchen dann eine Oberschule, die ebenfalls drei Jahre dauert. Nach deren Abschluss gehen 50 von 100 Schülern auf eine Universität, aber um dort aufgenommen zu werden, muss man sich erneut auf eine äußerst schwierige Prüfung vorbereiten.

Aber genug vom Schulsystem und der Schullaufbahn eines japanischen Schülers. Wie sieht denn nun der Alltag eines durchschnittlichen Schülers aus?

Unsere japanische Schülerin geht erst um 24:00 in ihr Bett. Davor lernt sie stundenlang, es ist ja am nächsten Tag Schule und sie will auf jeden Fall gut abschneiden. Schlafen kann sie nur fünf Stunden, sie muss um 5:00 morgens aufstehen. Was sie so früh macht?

Lernen. Das macht sie in jeder Minute Freizeit, die ihr zur Verfügung steht. Nachdem sie nach dem Unterricht schnell ihre Hausaufgaben erledigt hat, verbringt sie den restlichen Nachmittag in einer ‚Juku‘, einer Paukschule. 33 von 100 Kindern besuchen so eine auch. Dort sitzt sie dann bis 22:00 und lernt. Länger haben die Schulen nicht offen, darum muss sie die restliche Zeit daheim mit Lernen verbringen. Neben Fächern wie zum Beispiel Mathe, Physik und einigen Fremdsprachen (sogar Deutsch!) lernen die Schüler auch andere Dinge, wie Kalligrafie, die Kunst des schönen Schreibens.

Selbst in den Ferien geht sie in die Schule, um dort an verschiedenen Aktivitäten teilzunehmen und natürlich auch, um zu lernen. Schule beginnt um 8:30 und dauert bis 15:30, jedenfalls ‚offiziell‘. Die meisten Kinder sitzen um einiges länger dort, so wie unsere Schülerin es auch tut. Respekt ist in ihrer Klasse das A und O. So muss sie sich, wenn der Lehrer kommt, wenn er geht oder wenn sie etwas Schlimmes gemacht hat, verbeugen.

Individualität gibt es dort nicht. Es darf keine Schminke, Nagellack oder sonstiges getragen werden, jeder muss eine Schuluniform tragen und die Männer dürfen eine gewisse Haarlänge nicht überschreiten. Wie die Schüler es schaffen, unter diesem enormen Stress nicht ernsthafte Probleme zu bekommen, ist wunderlich.

Doch ganz ohne Probleme funktioniert das Ganze ja auch nicht. Die Selbstmordrate ist in japanischen Schulen leider höher als anderswo. Kein Wunder, wenn Schüler nicht nur von den Lehrern, sondern auch von den Eltern permanent unter Stress gesetzt werden.

In japanischen Schulen ist das Leben eines Schülers deutlich schwerer als hier bei uns. Das nächste Mal, wenn wir etwas ‚viel zu schwer finden‘, sollten wir an die vielen japanischen Schulkinder denken, die schon in einem zarten Alter enorm viel Arbeit ausgesetzt sind.

Laura geht in die 3M. Sie zeichnet und schreibt gerne, und als angehende Autorin kann sie so ziemlich alles beschreiben. Außer sich selbst. Moment, hat sie das nicht gerade getan? 😂
3 Comments on this post.
  • derdeeskalator
    16 April 2018 at 12:36
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    Also wollt ihr implizieren, dass wir uns, nur weil es woanders schlimmer ist, nicht über unsere offensichtlichen Probleme aufregen dürfen bzw sollen? Probleme sind immer relativ, nur ne kleine Anmerkung.

  • Susanne Sophie Schmalwieser
    26 April 2018 at 14:45
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    Danke für deinen Kommentar – du hast natürlich recht damit, dass Probleme immer relativ sind. Sollte es hier auf dich so gewirkt haben, als wollten wir sagen, man „dürfe“ oder sollte sich bei uns nicht über Probleme beschweren dürfen, tut uns das leid. Andererseits ist es – gerade, weil die Größe eines Problems meistens von deiner subjektiven Betrachtung abhängt – manchmal auch durchaus sinnvoll, Vergleiche zu ziehen. Sich aufzuregen kann helfen – manchmal hilft es aber auch, sich selbst zu beruhigen und sich vor Augen zu führen, dass viele Probleme eindeutig überwindbar sind. Hier kann der Vergleich mit „größeren“ Problemen schon helfen.

  • derdeeskalator
    5 Juni 2018 at 12:44
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    Erstmal danke für die Antwort und die Diskussionsbereitschaft, zeigt einen guten Eindruck von euch. Und natürlich ist es sinnvoll sich die Größe von Problemen vor Augen zu führen und sie zu lösen. Aber das heißt nicht, dass man sich nicht darüber beschweren darf, soll, muss. Das Problem ist halt, dass die meisten Probleme bei uns wiederholend und vor allem vermeidbar sind. Man kann im Moment vielleicht nicht viel dagegen machen und sich aufzuregen bringt nicht viel, aber wenn es immer wieder und wieder passiert und vermeidbar mit ein paar Reformen und Änderungen im Schulsystem wäre dann gibt es meiner Meinung nach schon Gründe sich über gewisse Dinge wie z.B. die Matheschularbeiten in den Oberstufen aufzuregen. Aber im großen und ganzen habt ihr schon recht, ich hab es halt eher den Text so verstanden als würdet ihr apologetisch versuchen die offensichtlichen Fehler unseres Schulsystems zu verteidigen und die typische „Dort ist es noch schlimmer, regt euch mal nicht auf“ Stimmung enstehen zu lassen. Alles gut, hab den Kommentar eigentlich nur geschrieben weil mir langweilig war deswegen nochmal Props dafür, dass ihr geantwortet habt, sieht man nicht immer. Schönen Tag noch und viel Erfolg mit eurer Zeitung^^

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