Annikmon

Ich bin zurück – und falle gleich mit der Tür ins Haus

Möglicherweise wird mich nach diesem Text der Großteil aller Leser*innen (uuuund es geht los) hassen. Das ist mir aber eigentlich relativ egal. Schließlich schreibe ich das hier erstens für eine österreichische Schülerzeitung und, bei aller Liebe, so viele Leser*innen (oh nein, es geht weiter) haben wir nun wirklich nicht, also ist selbst ein Großteil in diesem Fall nur ein Kleinteil. Ich, als (wenn auch recht unzuverlässige) Chefredakteurin, darf das zugeben. Zweitens ist mir das Thema trotzdem ein Anliegen. Und drittens liebe ich die Gefahr – zumindest, wenn sie nur aus ein paar Buchstaben besteht und nicht à la Weißer Hai auf mich zugeschossen kommt (obwohl Haie eigentlich sehr freundlich sind, ich will hier niemandem zu nahe treten). Nach diesem Um-den-heißen-Brei-Herumgerede wird sich der*die eine oder andere werte Leser*in (langsam reicht es wirklich mit diesen unsanften Hints) wohl fragen, um welches brisante Thema es sich wohl im folgenden Text drehen möge. Nun, es ist der…

FEMINISMUS!

(Ich weiß, ich habe das schon mal gemacht, aber hier muss wieder das berühmt-berüchtigte Dam-Dam-Daaam rein, es ist nun mal ein universeller Soundeffekt.)

Ja, ich möchte über den Feminismus schreiben. Ich hoffe inständig, dass sich an diesem Punkt nicht die Hälfte der Leser*innen (UM HIMMELS WILLEN) augenrollend verabschiedet – falls Sie gerade drauf und dran sind, dies zu tun, sagen Sie sich einfach, dass dieser Text doch nur aus der Feder eines dummen, sechzehnjährigen MÄDCHENS stammt, das in Wirklichkeit keine Ahnung von der Welt hat. Sie können die nächste Klammer überspringen. (Ich denke eigentlich schon, dass ich ein bisschen Ahnung von der Welt habe. Nicht weitersagen.) Nun also, da ich hoffentlich alle zum Weiterlesen motivieren konnte, geht es los. 

Die Sache mit mir und dem Feminismus begann, als ich vor gar nicht allzu langer Zeit mit meinen beim Literaturwettbewerb erhaltenen Geschenk-karten dem guten Morawa einen Besuch abstattete, um das gesamte Guthaben für Fantasy oder Science-Fiction auf den Kopf zu hauen. Tatsächlich wurde ich diesbezüglich bei diesem Aufent-halt nicht fündig, verließ das Geschäft aber dennoch mit zwei Büchern. Eines davon war von John Green (und sehr gut, aber das ist jetzt egal), beim anderen handelte es sich um ein kleines, orangefarbenes Buch aus der Reihe Carlsen Klartext. Wer diese Reihe kennt, weiß vermutlich, welches Thema das Buch dieser Farbe behandelt, alle anderen können es sich wohl auch denken: Richtig, das Buch heißt schlicht und einfach „Feminismus“. Es war mir – vielleicht aufgrund seiner grellen Farbe – ins Auge gesprungen, und ich hatte es kurz entschlossen gekauft. Ich war mir nämlich relativ sicher – und kann es nun mit Nachdruck sagen – dass ich eigentlich keine wirkliche Ahnung von Feminismus hatte. Sicher, ich hatte von der #metoo-Debatte und vom Gendern gehört (dieses Thema wurde letztes Jahr sogar auf unserer Website behandelt, ihr könnt ja mal suchen), aber ich war mir nicht ganz sicher, was ich von alledem halten sollte. Also begann ich kurzerhand, das Buch zu lesen. Wer mich kennt, weiß, ich bin eine schnelle Leserin, aber ich würde trotzdem behaupten, dass ich dieses Buch selbst für meine Verhältnisse gera-dezu verschlungen habe. Und wer mich kennt, weiß auch, dass ich seither relativ nervig geworden bin. Ich kann nicht mehr fernsehen, ohne mich über die Rasiererwerbungen auf-zuregen, die so tun, als würden Frauen sterben, sofern sie sich nicht die Achseln enthaaren. (Spoiler: Sie tun es nicht. Science. Alles getes-tet.) Ich führe Gender-Debatten mit meinem Freund, DER DAS BUCH MOMENTAN AUSGELIEHEN UND IMMER NOCH NICHT GELESEN HAT, im Gegensatz zu seiner Mutter, die daraufhin gleich die ganze Reihe gekauft hat. Und ich schreibe einen Text über Feminismus und mich für die Schülerzeitung (wozu mich allerdings mein Vater animiert hat, ich wollte mir die potenziellen Roasts eigentlich ersparen). Was ich mit alledem sagen will, ist, das Buch hat mir auf sehr vieles eine andere Sichtweise offenbart. Ich hinterfrage mehr, denke länger über Sachen nach – und würde sogar ziemlich eiskalt behaupten, dass ich Feminismus jetzt verstehe. Ein Shoutout an Juliane Frisse, die Autorin des Buchs – sie hat es drauf. KEIN Shoutout an Google Books, die sie unter dem Buchtitel als „Autor“ listen. Juliane Frisse. Weiblich. Autor. Männlich. UNTER EINEM BUCH ÜBER FEMINISMUS. Ihr seht schon, die gute Juliane hat ganze Arbeit bei mir geleistet. 

Ich habe verstanden – und jetzt wird es kritisch – dass auch hier in unseren Gefilden Frauen immer noch nicht gleichberechtigt sind. Ich habe verstanden, was für eine komische Denkweise wir alle – mich eingeschlossen, so ist es ja nicht – eigentlich von klein auf von unserer Umwelt antrainiert bekommen. (Als ich sechs war, wurde ich nachhaltig von Fußball vertrieben, als ich von meinem damaligen besten Freund mit der Begründung „Mädchen dürfen nicht Fußball spielen!“ aus dem Spiel ausgeschlossen wurde. Tja. Vielen Dank, Lukas.) Ich habe verstanden, dass Blondinenwitze eigentlich nicht sooo toll sind. Und ich weiß jetzt, dass ich mit Menschen über Feminismus diskutieren will – sobald ich meine generelle Angst vor Face-to-Face-Diskussionen überwunden habe (die ich übrigens nicht auf die böse, frauenfeindliche Gesellschaft schiebe, nur um das klarzustellen).

Bevor jetzt einige Leser*innen (Ja, ich gendere jetzt außerdem so – sprechend sage ich „Leser innen“ mit Pause. Ist ganz einfach.) aufschreien, ja, das Buch hat mir auch geholfen, die Ungerechtigkeiten auf der anderen Seite zu verstehen. (Das heißt, noch besser als vorhin, ich habe jetzt nicht unter einem Stein gelebt.) Wieso werden kleine Jungen mit Puppen ausgelacht? Wieso dürfen Männer nicht weinen? Wieso kriegen nach einer Scheidung meistens Frauen das Sorgerecht? Auch das sind Dinge, mit denen sich der Feminismus auseinandersetzt. Und bevor jetzt wieder alle aufschreien, es heißt Feminismus, weil es trotzdem im Gesamten immer noch den Frauen schlechter geht. Wer das nicht glaubt, kann gerne ein paar Zeitungsartikel über Menstruationshütten in Nepal lesen. Nicht schön. Wirklich nicht.

Zum Abschluss möchte ich außerdem darauf aufmerksam machen, dass sich erneut jemand abfällig über mich und die Netz-strumpfhosen geäußert hat (falls jemand das nicht weiß, dieses Thema habe ich schon einmal in einem k’mon-Text erwähnt). Das letzte Mal war es ein Mädchen, diesmal war es ein Junge, der gemeint hat, ich sähe aus wie eine Straßenprostituierte. Falls er diesen Text liest, empfehle ich ihm wärmstens, das Buch „Carlsen Klartext: Feminismus“ von Juliane Frisse zu lesen. Falls nicht, empfehle ich es auch allen anderen Personen, die sich die Zeit genommen haben, meinen Fast-Roman zu Ende zu lesen. Denn Feminismus ist interessant und Feminismus schadet nicht. Und Feminismus ist weder böse noch männerfeindlich – und schon gar nicht „längst abgehakt“.

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