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Mein Konflikt mit der Kirche

Hallo, ich bin Smilla und ich werde in 226 Tagen aus der Kirche austreten. Aber hier ist, wie es dazu gekommen ist.

Disclaimer: Mit diesem Beitrag will ich keine Christ*innen kritisieren, sondern die Instititution Kirche. Ich selber glaube zwar nicht an Gott, jedoch respektiere ich jede Person, die dies tut.

Ich wurde nicht wirklich katholisch erzogen, da meine Eltern beide nicht sehr gläubig sind. Dennoch wurde ich mit einem halben Jahr getauft. Und da ist schon mein erstes Problem: Wer kam auf die Idee, Babys den eigenen Glauben aufzudrängen. Mit einem halben Jahr wird man sich wohl schwer gegen die eigene Taufe wehren können. Zwar kann man sich noch immer gegen den Glauben entscheiden, jedoch müsste man dann extra austreten. Außerdem darf man erst mit 14 Jahren austreten, davor braucht man die Zustimmung der Erziehungsberechtigten, die aber oft dagegen sind, da sich diese Personen meist auch für die eigene Taufe entschieden haben.

Auf der anderen Seite könnte man sich aber gegen die eigene Erstkommunion wehren. Jedoch bin ich der Meinung, dass 7-Jährige schwer eigenständige Entscheidungen treffen können, da diese meist von ihrem Umfeld beeinflusst werden. Bei mir war es zum Beispiel so, dass ich von meinen Eltern in eine katholische Volksschule geschickt wurde, in der wir mit der ganzen Klasse die Erstkommunion zusammen gefeiert haben. Ich hätte mich wahrscheinlich dagegen wehren können, jedoch habe ich einfach mitgemacht, da es alle gemacht haben.

Aber nicht nur die Feiern, bei denen man Gott bestätigen sollte, dass man an ihn/sie glaubt, sondern auch den Religionsunterricht (in der Volksschule) finde ich oft sehr problematisch. Bei mir persönlich war es so, dass wir zweimal die Woche Religion hatten. In diesen zwei Stunden wurden uns ganz viele Geschichten, die in der Bibel stehen, vorgelesen. Diese wurden uns zwar in kindgerechter Weise beigebracht, jedoch würde ich nicht gerne wissen, dass meine Kinder, falls ich welche habe, Geschichten aus einem Buch nähergebracht bekommen, in dem auch sehr viele sehr sexistische, homophobe oder andere aus meiner Sicht bedenkliche Dinge stehen. Oft sind diese zwar nicht offensichtlich diskriminerend, jedoch gibt es manchmal ziemlich fragwürdige Hintergründe, wie zum Beispiel, dass Gott eine Teenagerin geschwängert hat, die wahrscheinlich so um die 13-14 war.* Zwar war dies damals „normal“, jedoch denke ich, dass es auch genug 23-Jährige in Nazareth gegeben hätte, die Gott hätte schwängern können. Außerdem denke ich nicht, dass ich, als 13-Jährige, imstande wäre, eine eigenständige Entscheidung gegenüber einem allmächtigen Gott zu treffen.

Außerdem regt es mich auf, dass ich ein Teil der Kirche bin, da diese auch heute noch eine sehr sexistische, homophobe etc. Institution ist. Durch meine Taufe bin ich unfreiwillig in einer Institution, die mich und andere Menschen hasst. Durch meine Taufe bin ich in einer Institution, die an ein Buch glaubt, in dem zum Beispiel steht, dass „der Mann nicht geschaffen ist, um der Frau zu willen, sondern die Frau um des Mannes zu willen“ (1. Korinther 11/9)**. Durch meine unfreiwillige Mitgliedschaft, unterstütze ich diese Aussagen indirekt.

Jedoch ist nicht nur das Buch problematisch, sondern auch die Geschichte der Kirche. Durch die Kirche ist auch viel Antisemitismus entstanden, da Jesus angeblich durch Juden gestorben ist. Schon seit dem 2. Jahrhundert nannte die Kirche Juden „Christusmörder“ und „Gottesmörder“ und rechtfertigte dadurch auch soziale Diskriminierung, Unterdrückung und die Verfolgung jüdischer Minderheiten im Mittelalter und der Neuzeit. Erst 1945 erkannte die Kirche dies als Irrtum an.***

Fazit: Jede Person soll natürlich an das glauben, was diese Person für richtig hält, jedoch bin ich der Meinung, dass die katholische Kirche sehr viele problematische Sachen vertritt, derer man sich bewusst sein muss. Außerdem bin ich der Meinung, dass man sich erst für oder gegen den Glauben entscheiden sollte, wenn man diese Entscheidung selbst treffen kann, und nicht Babys taufen und denen den Glauben aufzwingen sollte. Durch meine unfreiwillige Mitgliedschaft bin ich Teil einer Institution, die für den Tod tausender, wenn nicht sogar von Millionen Menschen indirekt durch die Verbreitung des Antisemitismus oder direkt durch die Kreuzzüge und Hexenverbrennungen verantwortlich ist.

*Quelle: Jesus.ch **ein paar andere sexistische Bibelverse: 1. Korinther 11 (alle Verse); 1. Timotheus 2,11f; 2. Mose 21,7; 1. Mose 15,3; 5. Mose 21,11 ***Quelle: Wikipedia.org

Hallo, ich bin Smilla! Ich bin Bücherliebhaberin und ein großer Harry Potter-Freak. Ich bin in der 3m und gehe schon ein und ein halbes Jahr Schülerzeitung :)

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