Keim-Inside

Nachruf: Unsere ehemalige Direktorin Margarete Zelfel ist gestorben

Wer von euch nicht in der 8. Klasse ist und eine Ehrenrunde gedreht hat, hat Margarete Zelfel nicht mehr als Direktorin unserer Schule erlebt. Aber viele von euch haben sie mit Sicherheit bei unseren vielen Veranstaltungen gesehen. Ob Soiree, Schülerakademie, Lange Nacht der Talente, kaum ein Event unserer Schule hat sie sich entgehen lassen. So tief ist sie unserer Schule verbunden geblieben. Kein Wunder, hat sie die Keimgasse doch ein Viertel Jahrhundert mit großem Engagement geleitet.

Ihr Führungsstil war noch ein wenig von der alten Schule, etwas strenger, autoritärer. Waren gewisse Entscheidungen von ihr getroffen, gab es zumeist keine Diskussion mehr. Nicht nur die SchülerInnen hatten großen Respekt – da blieb kein Kapperl auf dem Kopf, wenn sie in der Früh am Gang kontrollierte – auch von uns Lehrern hatten viele wohl ein bisschen Angst vor ihr. Praktisch war allerdings, wenn sie den Unterricht besuchte, war die Klasse schlagartig ruhig, egal welches Chaos vorher vielleicht geherrscht hatte.

Aber egal wie das Verhältnis zu ihr war, ihr werdet an dieser Schule so gut wie keine Lehrerin und keinen Lehrer finden, der nicht den großen Einsatz „der Chefin“ bewundert hat. Legendär ist etwa die persönliche Verabschiedung jedes einzelnen Schikurses. Südstadt, Sonntag 9.00 Uhr. Sie war da.

Sie war da, da für ihre Schule. Hier war sie für alles offen, was in ihren Augen gut für das Gymnasium, unsere Schule und unsere Schüler war. Sie war bereit, neue Wege zu gehen. So gibt es die Modellklassen unter anderem deswegen, weil sie die Förderung von Begabungen immer als zentrale Aufgabe des Gymnasiums gesehen hat. Weil die Keimgasse auch dank ihr auf dem Gebiet der Begabungsförderung schon viel zu bieten hatte. Weil sie dem Elternverein, der auf der Suche nach einer geeigneten Schule für seine vielen begabten Kinder war, im Gegensatz zu so gut wie allen anderen DirektorInnen, offen begegnet ist. Und dann, nach einer Art kurzen Schnupperphase, Nägel mit Köpfen gemacht hat: „Gut, machen wir solche Klassen.“ Da war sie schon über 60 und gar nicht mehr so weit weg von ihrer Pensionierung.

Die Entwicklung des Konzeptes hat sie dann an uns übergeben – ein Lehrerteam. Das war wohl noch eine ganz große Stärke von ihr: Sie hat uns vertraut – nicht blind. Aber sie hat vertraut, dass wir unser Bestes geben. Samt Erlaubnis, dabei auch Fehler zu machen. Aber es wäre nicht Margarete Zelfel gewesen, wenn sie sich nicht in manchen Punkten doch auch im wahrsten Sinn des Wortes entscheidend eingebracht hätte. Nur einmal, als ich ihr gegenüber eine größere Änderung im Modellklassen-Konzept angesprochen habe, bekam ich die Antwort: „Das könnt ihr gerne machen, aber darauf wartet ihr jetzt bitte wirklich, bis ich in Pension bin.“ (Ehrlich gesagt, diese Änderung ist nie passiert.)

Als ich mir darauf die Frage erlaubt habe, wann denn das sein werde, hat sie mir geantwortet, wenn die ersten Bagger vorfahren. Der Schulumbau ist schon ein sehr altes Projekt, das selbst die Chefin trotz aller Bemühungen und bester auch politischer Kontakte nicht durchsetzen konnte. Umso mehr tut mir leid, dass sie es nicht mehr sehen kann, wie unser Schulgebäude in drei, vier Jahren endlich (und hoffentlich) tip-top dasteht.

Auf dem Weg zu einer Pressekonferenz zum Start der auch unter ihrem Betreiben ins Leben gerufenen Modellklassen in Wieselburg, sie war da schon zwei, drei Jahre in Pension, hat sie mir gesagt, sie würde jetzt vieles anders machen. „Die Schüler, jede und jeder Einzelne, müssen noch viel mehr im Zentrum stehen.“ Selbst in der Pension ist sie nicht stehengeblieben, hat sich, ihr Denken und ihre Haltung weiterentwickelt. Ich denke, das können wir uns zum Vorbild nehmen. Und diesen Satz nehme zumindest ich mir als ihr Erbe.

Liebe Grete, ruhe in Frieden!

In wertschätzender und dankbarer Erinnerung,

Markus Tobischek

One Comment
  • Clemens Zeitlhofer
    16 Mai 2020 at 02:21
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    Rührt mich nun wirklich ein wenig, dass unsere liebe Direktorin verstorben ist. Mochte sie auch vielleicht manchmal als ein wenig streng verschrien gewesen sein (nun, bitteschön, das Autoritäre war früher eben normal), werde ich doch nie auch nur im geringsten Zweifel an ihrer Fähigkeit und Integrität haben. Liebe Frau Direktor Hofrätin Zelfel, ich werde Sie vermissen. Vielleicht besuche ich einst sogar Ihr Grab. Als Sie starben, war ich nach langen Jahren der Not gerade obdachlos. Heute, nur ein Jahr später, kann ich ausgeruht in meiner von einem der berühmtesten modernen Architekten Österreichs errichteten Wohnung auf Staatskosten an Sie und Ihr ein Vierteljahrhundert umfassendes Werk zurückblicken und ein Gefühl der Dankbarkeit verspüren, weil Sie es waren und niemand sonst, die mich ausgehalten hat. Sie allein gaben sich vormittags, als ich elf war, mit meinem Vater ab und sorgten dafür, dass ich die Schule bis zum Ende besuchen konnte, anstatt dass ich als irgendein wertloser psychopathischer Abraum weggeschmissen worden wäre. Sie haben sehr dazu beigetragen, dass ich mich in den Neunzigerjahren zumindest ab und zu wie ein normaler Mensch fühlen dürfte. Ohne Ihren Einsatz und Ihre unbändige Hingabe im Zusammenspiel mit den Anstrengungen Ihres doch wirklich durchaus leistungsbereiten Lehrerteams hätte nie auch nur im entferntesten etwas wie ein kulturverträglicher Mensch aus mir werden können. Frau Direktor, ich werde Ihnen nie vergessen, wie sehr Sie uns bloß fünf armseligen Kindchen in der Oberstufe geschützt haben vor jeder Beleidigung und wie gern Sie auch manchmal, wenn Sie selbst supplierten, uns noch Ihren geliebten Ovid näherbrachten und gar zum schnöden Abprüfen griechischer Verbalformen sich noch herablassen konnten. Zwar hatten Sie durchaus einige Feinde, die nach dem Verlassen der Schule Ihren elitenbildenden Ansatz mit Verachtung überzogen, doch ist für mich klar, dass Sie in meiner Jugendzeit, wenn Sie schon nicht besonders oft persönlich in Erscheinung traten (etwa als rächender und strafender „Kugelblitz“, wie ein gewisser, hoffentlich mittlerweile entfernter Turnograph namens Hilber Sie respektlos zu bezeichnen pflog), eine integrationsstiftende und mehr oder weniger allseits akzeptierte Herrscherin gewesen sind, deren persönliche Hingabe und Eifer uns stets als Vorbild in Erinnerung bleiben muss.

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