Annikmon

„Party in the USA“ – oder Bericht über die diesjährige Sprachreise

Bevor es losgeht, zunächst einmal vorneweg: Herzlich Willkommen im neuen Schuljahr – und auf dieser Seite! Egal, ob du wiedergekommen oder zum ersten Mal über uns gestolpert bist, wir freuen uns über jede*n Leser*in!

Ich bin jetzt irgendwie tatsächlich bereits in der Siebten gelandet. Erschreckend, wie schnell das gegangen ist. Liegt bestimmt daran, dass die Keimgasse eine so großartige Schule ist (schleim, schleim). Und obwohl ich bereits aufgrund eines alarmierend hohen Berges an Hausaufgaben und der Tatsache, dass mir alle VWA-Lehrer*innen weggeschnappt werden, in Panik gerate, hat die siebte Klasse dennoch mit einem Lichtblick begonnen: Ich war zwei Wochen lang in den USA. Auf Sprachreise. Natürlich haben sich da bereits im Vorfeld viele Fragen gestellt. Heißt es an der High School tatsächlich Cheerleaderinnen und Footballer gegen den Rest der Welt? Wird es im Haushalt meiner Gastfamilie überhaupt Obst und Gemüse geben? Werde ich womöglich in eine Schießerei geraten? Und was, wenn ich bei Trump-Supportern lande?

Überraschenderweise kann ich guten Gewissens sagen, dass sich all diese grauenhaften Amerika-Klischees zumindest in San Diego, Kalifornien, kaum bestätigt haben. Cheerleaderinnen und Footballer existieren zwar, sind aber normale Menschen wie alle anderen auch. Man hält eine Tüte Chips zwar tatsächlich für ein nahrhaftes Mittagessen, aber auch Obst und Gemüse tauchen immer wieder mal als Bestandteil eines solchen auf. Ich habe in den ganzen zwei Wochen außer bei diversen Polizei-Angehörigen keine einzige Waffe gesehen. Und der einzige Waffenliebhaber, von dem ich gehört habe, war gleichzeitig auch der einzige mir bekannte Trump-Supporter.

Schule in Kalifornien ist allerdings wirklich anders als bei uns. Nicht Lehrer*innen müssen sich zwischen den einzelnen Klassenzimmern bewegen, sondern Schüler*innen. Was für eine unfaire Regelung. Wenigstens weiß man eigentlich immer, wo man als nächstes hinmuss, denn der Stundenplan ist jeden Tag gleich, sodass man sich – in meinem Fall – nur Marching Band (ja, ganz genau), Maths, English, US History und Biology merken muss. Apropos Marching Band, dieses Schulfach zählt als Physical Education. Ja. Als Sport. Auch, wenn nie wieder Zirkeltraining eine recht verlockende Vorstellung ist, war ich doch ein wenig verwirrt ob dieser Regelung. Das Mittagessen in der Schule ist übrigens nicht, wie sämtliche High-School-Filme behaupten, das erzwungene Aufeinandertreffen der einzelnen „Gesellschaftsschichten“, das unweigerlich zu Konflikten führt. Ich war in meinen zwei Wochen an der Del Norte High School auch kein einziges Mal in der Kantine, sondern habe die Mittagspause mit meiner Gastschwester und ihrem Freundeskreis in einem leeren Klassenzimmer verbracht. Wirklich seltsam sind die Beginn- und Endzeiten des Unterrichts. Dienstags fängt die Schule aus unerfindlichen Gründen eine Stunde später an. Schulschluss hatten meine Gastschwester und ich um 15 Uhr ZWEIUNDDREISSIG, was für eine perfektionistische Person wie mich, die runde Zeiten für ihr persönliches Wohlbefinden braucht, der reinste Horror ist. Und das Fach „Homeroom“ das jeden Freitag irgendwie in die normale Unterrichtszeit eingeschoben wird, hat sich mir bis heute nicht erschlossen.

Mit meiner Gastfamilie habe ich zum Glück eigentlich in allen Bereichen ins Schwarze getroffen. Nun ja, sie besitzen einen Hund und ich bin eher eine Katzenperson, aber über diesen „Makel“ und darüber, dass sie Plastiktüten nach einmaligem Verwenden wegwerfen, ließ sich sehr schnell hinwegsehen. Meine Gasteltern waren beide sehr freundlich und meine Gastschwester ein großer Harry-Potter-Fan – und viel mehr braucht es eigentlich nicht, um den Sprung in mein Herz zu schaffen. Ich war im Generellen ziemlich positiv überrascht, wie „kompatibel“ meine Familie und ich waren; sogar der Hund hat sich im Endeffekt als recht in Ordnung entpuppt. Wir haben auch ziemlich coole Sachen gemacht: Mexikanisch essen in der San Diego Old Town, ein Lagerfeuer am Strand und vieles mehr. Natürlich durfte auch das ultimative Amerikanischer-Teenager-Erlebnis nicht fehlen – das obligatorische Abhängen in der Mall (meine Gastschwester brauchte ein Homecoming-Kleid – noch so ein Klischee). Generell wurden mir aus irgendeinem Grund viele Supermärkte gezeigt. Den größten Eindruck hat Costco hinterlassen, weil es dort nicht nur alles gibt (das ist völlig normal für jeden Supermarkt), sondern auch noch alles in enormen Größen und Mengen. Es ist einigermaßen überwältigend, von allen Seiten von überdimensionalem Essen umzingelt zu sein. Und wenn wir gerade von Essen sprechen, das ist wirklich, wirklich gut (für meinen Geschmack. Menschen, die Schwarzbrot mögen, sind in den USA aufgeschmissen). Das kulinarische Highlight war der überdimensionale Donut, den man im Simpsons-Bereich der Universal Studios kaufen konnte.

Das bringt mich elegant zu den Ausflügen, den einzigen Gelegenheiten, bei denen ich die Lehrkräfte der Keimgasse gesehen habe (wo waren die?!). Als Gruppe der Keimgassler*innen waren das zwei Stück: Einer nach Los Angeles und einer in die Universal Studios (also ebenfalls nach Los Angeles). Der Nur-L.A.-Trip war – wenn ich ehrlich sein soll – eher ein Flop. Wir hatten viel zu wenig Zeit am Walk of Fame und haben in Santa Monica zu weit weg vom Pier geparkt. Das Kind in mir fragt quängelnd, warum wir stattdessen nicht nach Disneyland gefahren sind (was einige Keimgassler*innen ohnehin mit ihren Familien gemacht haben, ich aber nicht. Schluchz.). Allerdings würde ich sagen, dass der Ausflug in die Universal Studios die L.A.-Enttäuschung wieder völlig wett gemacht hat. Um es mit den simplen Worten eines Harry-Potter-Fans zu sagen: DA IST HOGSMEADE NACHGEBAUT UND ALLE GESCHÄFTE VERKAUFEN DAS, WAS SIE WIRKLICH VERKAUFEN WÜRDEN UND ES GIBT HOGWARTS UND ES GIBT EIN MONSTERBUCH DER MONSTER, WAS SICH BEWEGT UND ES GIBT EINE 3D-ACHTERBAHN, ZU DER MAN DURCH GÄNGE GEHT, DIE WIE DIE GÄNGE VON HOGWARTS AUSSEHEN UND IN DER EINEM ERST BEIM ZWEITEN MAL SCHLECHT WIRD! Entschuldigung. Der Rest war natürlich auch toll.

Um hier noch einige weitere schöne Dinge aufzulisten, die während der Sprachreise passiert sind, gesehen oder gehört wurden:

  • Viele Komplimente für blaue Haare. Ich und die andere blauhaarige Keimgasslerin (ich glaube, es gibt tatsächlich nur die eine) wurden tagtäglich mit Komplimenten überhäuft, die tatsächlich freundlich und aufrichtig erschienen. In dieser Hinsicht können sämtliche Österreicher*innen, die ich in meinem bisherigen Leben getroffen habe, in puncto Freundlichkeit wohl noch etwas von den Amerikaner*innen lernen.
  • Ich habe in den Universal Studios die Gelegenheit erhalten, ein Foto mit Shrek zu machen.
  • Gerüchte, dass sich eine gewisse Person für vier Tage nach Las Vegas abgesetzt hatte, machten die Runde.
  • Ich wurde von einem Servierwagen in der Flugzeugtoilette eingemauert und musste ungefähr fünf Minuten lang warten, bis die netten jungen Herren, die es bemerkt hatten, eine Flugbegleiterin auf meine missliche Lage aufmerksam machen konnten.
  • Das allmorgendliche Sitzen auf den Tribünen des Football-Felds mit einigen anderen Keimgassler*innen, während unten auf dem Feld die Marching Band probt.
  • Das cringey „Trees for Trump“-Schild im Garten des einzigen mir bekannten Trump-Supporters.
  • Der Geschichte-Unterricht bei Mr Swanson.
  • Viele weitere schöne Dinge, viel zu viele, als dass man sie hier in diesem ohnehin schon viel zu langen Text alle aufzählen könnte.

Abschließend kann ich nur sagen, dass die Sprachreise in die USA einfach toll war. Ich habe viele nette Leute kennengelernt, neue Freundschaften geschlossen und hatte eine großartige Gelegenheit, einen ganz anderen und doch irgendwie vertraut wirkenden Teil der Welt so kennenzulernen, wie er wirklich ist. Auch, wenn ich sie vielleicht nie wieder sehen werde, bin ich doch sehr froh, bei meiner Gastfamilie gelebt zu haben. Ich bin sehr froh, in den USA gewesen zu sein. Und, natürlich das ALLERWICHTIGSTE: Englisch gesprochen habe ich auch.

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