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Von „Winx Club“ und Neonazis – ja, das kann in ein und demselben Text vorkommen

Spoiler: Es geht nicht um eine "Winx Club"-Folge mit Neonazis in den Gastrollen

Lasst uns ĂŒber ein Thema sprechen, bei dessen ErwĂ€hnung jedem von uns im Normalfall ein eiskalter Schauer ĂŒber den RĂŒcken lĂ€uft und wir uns am liebsten vor Entsetzen kreischend auf den Boden werfen und nie wieder aufstehen wĂŒrden.

Trends.

(An dieser Stelle ist das berĂŒhmt-berĂŒchtigte „Dam-Dam-Daaam“ einzufĂŒgen.)

Ich spreche nicht nur von Kleidertrends, sondern von Modeerscheinungen jeglicher Art. Das Äußerliche betreffende Trends, aber auch Dinge wie Interessen und Hobbies, denn ja, auch da gibt es sie definitiv. In meiner Volksschule beispielsweise. Als ich in der zweiten Klasse war, entwickelten all die anderen MĂ€dchen eine regelrechte Obsession fĂŒr die Serie „Winx Club“ (Kennt ihr nicht? Ihr GlĂŒcklichen.), in der es im Wesentlichen um die magisch-wundertollen Abenteuer einer Gruppe leicht gekleideter FeenmĂ€dchen geht. Ich war so ziemlich das einzige weibliche Individuum meines damaligen Alters, welches den Reiz darin absolut nicht sah. Das brachte mich ziemlich zum Verzweifeln, da es in der Schule praktisch kein anderes GesprĂ€chsthema zu geben schien (außer bei den Jungen, da waren es diese Beyblade-Kreisel. Super.) und auch in den Pausen immer nur „Winx Club“ gespielt wurde. Ich versuchte, mich ebenfalls dafĂŒr zu interessieren und mitzuspielen, aber da ich keine Ahnung von der Serie hatte, wurde ich immer dazu abkommandiert, eines der Feenhaustiere zu spielen, und nicht einmal DAS machte ich richtig. Erst, nachdem diese Phase ĂŒberwunden war, konnte ich wieder guten Mutes in die Schule gehen. NatĂŒrlich nur bis zur nĂ€chsten bescheuerten Phase, mit der ich mich nicht identifizieren konnte. NatĂŒrlich haben sich die Phasen zusehends verĂ€ndert, seit ich nicht mehr in der Volksschule bin. Von da an waren es eher Dinge wie Schuh- (Adidas Superstar? Ich möchte kotzen.), Kleidermarken- und Make-Up-Trends, die mein soziales Umfeld zahlreich bevölkerten und – bedauernswerterweise – prĂ€gten.

Ich möchte nicht so tun, als ob ich nie irgendwelchen Moden gefolgt wĂ€re. Manche von denen sind gar nicht so ĂŒbel, ehrlich. Aber wenn mir in der SCS auf der einen Seite Horden von MĂ€dchen mit drei Zentimeter dicken Balkenaugenbrauen, Tops, auf denen fett Levi’s steht und Hotpants, die die HĂ€lfte ihres Hinterns frei lassen und auf der anderen Seite Horden von Jungen mit weißen Sneakers, aus denen im Idealfall noch weiße Adidas-Socken ragen, Jogginghosen und Snipes-Pulli entgegenkommen, beginne ich doch hin und wieder an der Menschheit zu zweifeln. NatĂŒrlich kann jeder so aussehen, wie er oder sie will, aber komischerweise sehen fast alle Teenager gleich aus. Aber wer kann ihnen schon einen Vorwurf machen, wenn ein MĂ€dchen, das sich die langen Haare abrasiert, als „Kampflesbe“ (ich danke meinem bezaubernden Exfreund fĂŒr diesen Begriff) abgestempelt wird und einem Jungen, der Make-Up ausprobieren will auf der Straße „TrĂŒmmer-Transe!“ hinterhergerufen wird? Ich trage manchmal Netzstrumpfhosen, einfach nur, weil sie mir gefallen. Einmal erzĂ€hlte mir eine Freundin aus der Parallelklasse dann, ein MĂ€dchen aus ihrer Klasse habe gesagt, ich liefe herum wie eine Schlampe. Das traf mich zwar nicht sonderlich tief, aber irgendwie eben doch. (Und das nicht, weil ich irgendetwas gegen Prostituierte habe, sie haben einen Beruf wie alle anderen auch.) Bei den Pfadfindern indes bin ich wegen meiner Springerstiefel ein Neonazi. (Gegen Neonazis habe ich tatsĂ€chlich etwas.) Ich verstehe es einfach nicht. Wie kann man nur aufgrund von Kleidung, Interessen, Verhaltensweisen dermaßen verurteilt werden? Soll ich auch nur noch Leggins tragen, an deren Rand Puma steht? Soll ich auch nur noch Bilder von mir mit ausdruckslosem „Modelblick“ auf Instagram posten? Jedes Wochenende saufen gehen, weil es die angesagten Teenager tun? War es richtig, dass ich mich mit neun Jahren zu Reitstunden gezwungen habe, weil alle MĂ€dchen Pferde lieben mĂŒssen? Oder, dass meine 60 Kilo wiegende Freundin darĂŒber klagt, wie fett sie doch sei?

Und dann sind da noch die „Trends“ von denen die trendigen Teenager glauben, es seien Trends. Sich outen zum Beispiel. Das soll ja jetzt ein ganz großer Trend sein. NatĂŒrlich „werden“ jetzt alle schwul, oder lesbisch, bi oder pan oder trans, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Seufz.

Das ist mit Abstand das DĂŒmmste, was ich je gehört habe, einschließlich der Story von „Winx Club“. Menschen können zum ersten Mal in der Geschichte (lĂ€sst man die Spartaner mal außen vor) ihre SexualitĂ€t frei ausleben und werden dafĂŒr nicht nur ohnehin schon von allen Seiten runtergemacht, sondern auch noch als aufmerksamkeitsgeile LĂŒgner bezeichnet. Gut gemacht, Menschheit! Das Gleiche ist es mit Depressionen. Ist es tatsĂ€chlich nur ein „Trend“, sich zu ritzen, um Aufmerksamkeit zu erregen, wie so viele Menschen denken und auch lautstark behaupten? Bei dieser gesellschaftlichen Haltung ist es kein Wunder, wenn dann bald der nĂ€chste große Trend folgt; nĂ€mlich Selbstmord.

Warum wohl werden Jugendliche depressiv, in einem Umfeld, in dem sie nicht so sein können, wie sie sind? Viele tun so, als wĂ€re es ihnen egal, in eine Schublade gesteckt zu werden, manchen ist es das vielleicht sogar, aber die meisten wollen sich ihre Verletztheit und Verletzlichkeit gleichermaßen einfach nur nicht anmerken lassen. Wir sollten endlich lernen, jeden so sein zu lassen, wie er ist (solange er kein verrĂŒckter Axtmörder ist, ich gebe zu, das finde auch ich eher bedenklich), schließlich lebt jeder Mensch (soweit wir wissen) nur einmal und sollte daher sein Leben so gestalten können, wie er oder sie selbst es will, und nicht so, wie die Gesellschaft oder die Norm es verlangen. Denn jeder kann sich selbst seine eigene Norm schaffen. Und wenn ich mit meinem Playmobil-Familienhaus spielen gehen will, nachdem ich diesen Artikel zu Ende geschrieben habe, dann ist das allein meine Sache.

One Comment
  • T-Rex
    16 Oktober 2018 at 15:16

    Ich mag Playmobil

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