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Whiskey & Sauermilch

"Die Geburtstagsfeier" von Harold Pinter im Wiener Akademietheater

Aus der Bühne wächst Gras und man betrinkt sich. In Harold Pinters „Geburtstagsfeier“, momentan zu sehen im Wiener Akademietheater, lebt Pianist Stanley seit einem Jahr als einziger Gast in einer kleinen Pension am Meer und hat – Überraschung! – Geburtstag. Dann tauchen zwei mysteriöse Fremde auf. Während die mäßig kompetente Pensionsinhaberin Meg in der Regie von Andrea Breth Cornflakes mit Sauermilch serviert, wird Stanley bei abendlichem Whiskeybesäufnis als Vergewaltiger enttarnt, woraufhin er am nächsten Morgen die Pension verlassen muss.

  Copyright Bernd Uhlig

Was ich dazu sage?

In erster Linie sage ich „Nein, danke“. Nicht falsch verstehen, inszeniert war es toll, gespielt hat man toll. Ganz zweifellos hat das ganze Team aus Pinters Geburtstagsfeier das Beste gemacht, was sie machen hätten können. Aber auch das Beste hat mich dazu gebracht, um 20 Uhr (Beginn war 19.30) zum ersten Mal auf die Uhr zu schauen. Drei Stunden später habe ich dann noch einmal auf die Uhr geschaut und es war 20 Uhr 01. Das Stück, das den Zuschauer nicht nur durch eine bedrückende und bedrohliche Stimmung, sondern auch durch eine ganz sonderbare Langsamkeit in Dialogen und Handlung verstört, dauert geschlagene drei Stunden. Die Pause gibt es erst nach zwei. Das wäre auch kein Problem, an sich, wenn irgendetwas passieren würde, außer dass Pianist Stanley als einziger Gast in einer Pension wohnt, Geburtstag hat und dass zwei mysteriöse Fremde auftauchen.

Das Stück beginnt und endet in Verwirrung – das Publikum starrt ins Leere hinein und man hört tausende von Gehirnzellen rattern, die nach dem Sinn des Stückes suchen. Spätestens beim Schlussapplaus bemerken tausende von Gehirnzellen, dass sie gescheitert sind und dass der Sinn des Stückes einzig der ist: Zu erzählen, dass Pianist Stanley als einziger Gast in einer Pension wohnt, Geburtstag hat und dass zwei mysteriöse Fremde auftauchen. Das Ganze mit langsamen Bewegungen, langsamen Gesprächen und langsamen Beleuchtungswechseln dreistündig in die Länge gezogen fühlt sich an wie eine Suppe, die eigentlich nur aus kaltem Wasser besteht aber trotzdem als Suppe verkauft wird. Oder wie das berühmte, gefürchtete Klebefleisch. Dabei brät Breth das Stück sehr gut durch. Auch das Bühnenbild spricht an sich an: Um die Verwahrlosung der Pension  – und wahrscheinlich auch der menschlichen Seelen – zu unterstreichen, ist das Innere der Pension voll von Pflanzen und Sanddünen, im Hintergrund ein Boot, das wohl seit Jahren nicht benutzt wurde. Aber auch an der schönsten Savanne sieht man sich satt, wenn nicht irgendwann ein Elefant des Weges kommt. Zur nächsten Geburtstagsfeier also bestelle ich lieber Torte, Pints und nicht Pinter.

Termine

 

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